Kindergarten hoch eins – die lange Eingewöhnung!

Unser Kleiner ist seit fünf Wochen ein echtes Kindergartenkind, und was für eins! Ich hätte mir nach der Eingewöhnung unseres Erstgeborenen im Kindergarten niemals eine so entspannte Eingewöhnung träumen lassen. Doch Teil 1 dieses Blogs widmet sich unserem Großen. 

Kann mein Kind in den Kindergarten?

 

Zu den Anfängen. Ich war immer skeptisch wenn ich von Freunden hörte, die ihr Kind mit einem Jahr in den Kindergarten bringen. Ich konnte mir das nicht vorstellen, schließlich wurde ich doch als Kind auch mit drei Jahren erst eingewöhnt. Naja, wenn man es wie es damals lief, eine Eingewöhnung nennen kann:-O. Tatsächlich gehört der erste Tag im Kindergarten zu einer meiner ersten Kindheitserinnerungen. Sie zählt nicht zu den schönsten!

 

Ich will nicht in den Kindergarten!

 

Meine Mutter blieb exakt 20 Minuten mit mir, knapp 25  Kindern und zwei Erzieherinnen im Raum. Dann sagte sie „Tschüss mein Schatz“ und verließ mich. Zum ersten Mal in meinem kurzen Leben brach mir das Herz. Ich wurde verlassen! Allein gelassen im Kindergaten! Mama war weg, sie kommt nicht mehr! Das waren meine Gedanken. Also kletterte ich wie King Kong auf einen der kleinen Minitische hoch und schrie mir die Seele aus dem Leib! (In meiner Erinnerung trommle ich tatsächlich auch wie der Gorilla ganz bööööööse auf meine Brust). Bis eine Erzieherin mich auffing und tröstete. Danach blieb ich im Kindergarten, ohne weinen!  Jeden Tag kam ich wieder und spielte, lachte, sang. Aber es war nie so, dass ich nicht so schnell wie möglich wieder heim wollte, wenn Mama mich abholen kam. Ein Gefühl der Resignation beherrscht meine Erinnerung an die gesamte Zeit im Kindergarten.

 

Heute wird das in vielen Kindergärten anders gemacht. Vor allem in unserem Kindergarten ist die Eingewöhnung ein langwieriger Prozess, der uns Eltern das Gefühl gibt: „wir verlassen euch nicht, ihr könnt sicher sein, wir kommen wieder!“ . Je nach Kind kann die Eingewöhnung aber auch sehr anstrengend sein. Für Kind und Eltern!

Ich muss ausholen, denn bei dem Gedanken an die Entfernung unserer Wohnung vom Kindergarten, freue ich mir immer einen Ast! Wir wohnen nämlich diiiiiirekt über einem Kindergarten, der wirklich auch noch toll ist! Ich könnte den Jungs wenn sie im Hof des Kindergartens spielen quasi auf den Kopf spucken. Was ich natürlich niemals machen würde😄 auch wenn es manchmal eine ganz nette Rache für so manche Situationen sein könnte, in denen sie mich zur Weißglut treiben!

Nein Spaß bei Seite ,ich sehe sie wirklich! Und unser Fußweg zum Kindergarten sieht so aus: Tür raus, Fahrstuhl mit Wohnung im 3. Stock rein, EG drücken, aus dem Haus raus, 40 Sekunden Fußweg (naja daraus werden manchmal locker fünf Minuten, wenn auf dem Weg noch Steine, Blumen und kuriose Gegenstände aufgesammelt werden müssen), Tor in den Kindergartenhof rein, Tür auf und in die Garderobe stolpern. Kinder Jacken, Mützen, Schal etc. ausziehen, Hausschuhe anziehen, ab durch die Tür der Kita, fertig! Wir sind da! Komischerweise brauche ich dennoch täglich mindestens 30 Minuten zum Kinder abgeben! Warum? Weil sie einfach wie in allen Punkten so extrem unterschiedlich sind. 

 

Unser Großer war drei Jahre und zwei Monate alt als er seinen Platz im Kindergarten antreten durfte. Diesen Platz zu bekommen war ein harter Kampf.

Der Träger unserer Kita hat das Berliner Modell als Eingewöhnung für sich entdeckt und hält sich wirklich streng daran. Dies sieht etwa so aus: drei Tage lang gehen Mami oder Papi mit Kindchen in die Kita. Für ein bis zwei Stunden (man muss ja auch arbeiten). Am vierten Tag gibt es den ersten „Trennungsversuch“. 10 Minuten lang verstecken sich Mami oder Papi in der Garderobe. Dann kommen sie wieder raus und nehmen Kindchen wieder mit nach Hause! Geht das gut, dann wird die Zeit am nächsten Tag verlängert! Um satte 5 Minuten! Und am Folgetag auch. Und dem Tag darauf auch nochmal usw. Bis das frischgebackene Kindergartenkind ganze zwei Stunden im Kindergarten bleiben darf!

 

Drei Wochen lang! Bei unserem Großen war das nicht so einfach. Wir haben leider knapp drei Monate gebraucht bis er mal 2-3 Stunden im Kindergarten bleiben konnte. Da die Eingewöhnung direkt mit meinem Wiedereintritt in den Beruf zusammenfiel, könnt ihr euch vorstellen, wie anstrengend es war, vor allem für die Großeltern, die nun zwei Kinder hüten mussten. 

Unser Großer wurde drei Jahre lang behütet betreut von Oma und Opa, wenn Mama arbeiten war. Ich bin selten mit ihm in die Krabbelgruppe gegangen und habe nur einen Kurs der musikalischen Früherziehung mit ihm besucht. Vielleicht hätte ich mehr machen müssen, damit er schnell Anbindung an andere Kinder findet. 

 

Drei lange Monate des teilweise fürchterlichen Weinens und Bockens im Kindergarten hielten wir durch, als es auf einmal Klick machte und er blieb. Ein wahnsinnig toller Tag, denn er fand seine beste Freundin! Das wars! Das fehlte die ganze Zeit! Vertrauen in andere Kinder, Freunde! Nun sind acht Monate vergangen und er ist umgeben von tollen Freunden und Freundinnen im Kindergarten. Alles gut, bis auf das er sich erlaubt hat ein Muster aus seiner Eingewöhnungszeit beizubehalten. Er weint wenn ich ihn im Kindergarten abgebe, und ich muss 10-15 Minuten lang auf ihn einreden, bis er in die Arme eines Erziehers oder einer Erzieherin hüpft. 

 

Mittlerweile haben wir auch das besser im Griff. Seit es draußen so kalt ist, gibt es morgens beschlagene Kindergarten Scheiben. Hier male ich ihm ein Bild von außen, während er von drinnen zuschaut. Meist ist er dann so zufrieden, das er fröhlich zu den anderen Kindern springt und mich nicht mehr beachtet. Fragt man die Erzieher im Kindergarten danach wie er ist wenn ich weg bin bekomme ich von allen dieselbe Antwort: „er lacht, ist fröhlich und spielt einfach den gaaaanzen Tag“.

 

Mittlerweile weiß auch ich das er seinen Kindergarten liebt! Das lässt mich das morgendliche weinen aushalten. Schon am Wochenende merke ich, dass ihm seine Freunde fehlen und wir ihn doch noch ein wenig mehr fordern könnten. 

 

Während der Eingewöhnung im Kindergarten habe ich oft an dem Berliner Modell  gezweifelt. Was habe ich geschimpft und dabei gedacht: kurz und schmerzlos wäre doch für alle Beteiligten einfacher und besser gewesen! Heute bin ich mir sicher, das es gerade bei ihm der richtige Weg war. Er liebt seine Erzieher, seine Freunde und die Angebote im Kindergarten so sehr, vielleicht wäre es ohne dieses „schonende“ Modell heute nicht  so. Vielleicht hätte er den Kindergarten dann gehasst. Vielleicht auch nicht. Ich bin zufrieden, da ich jedes mal wenn ich ihn bringe weiß, das er einen tollen Tag in seinem Kindergarten haben wird! Das morgendliche Weinen  nennen die Erzieher nur noch „sein Ritual!“.

 

Wie es mit seinem Bruder lief, den wir vor 5 Wochen mit 19 Monaten im Kindergarten seines Bruders untergebracht haben, das erzähle ich im zweiten Teil! Von wegen Kinder sollten erst mit drei Jahren in den Kindergarten, da wurde ich mal wieder eines Besseren belehrt. Aber dazu mehr in Teil 2

 

Wie war bei euch die Eingewöhnung? Oder steht sie noch bevor? Über Tipps wie ich das morgendliche Weinritual noch besser in den Griff bekommen könnte, freue ich mich ebenfalls.

Der Blick von unserer Wohnung auf den Hof unseres Kindergartens
Der Blick von unserer Wohnung auf den Hof unseres Kindergartens

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