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Angst vor anderen Kindern - was tun?

Wenn mein Kind Angst vor anderen Kindern hat kann das die ganze Familie belasten
Wenn mein Kind Angst vor anderen Kindern hat kann das die ganze Familie belasten

 Freudig rennt unser Großer dem Spielplatz entgegen. Gerüstet mit Schaufel, Sieb und Eimer. Außerdem noch einige kleine Autos, die er die Rutsche runtersausen lassen möchte. Mutig steigt er am Klettergerüst hinauf, um die Hängebrücke zur Rutsche zu überqueren. Statt loszulaufen bleibt er plötzlich wie angewurzelt stehen. Am anderen Ende steht ein Kind. Unser Großer Junge brüllt los und will den Weg zur Rutsche nicht mehr weiter antreten. Er hat Angst vor anderen Kindern. Diese und viele andere Situationen haben wir schon erlebt. Seit er im Kindergarten ist, hat es sich gebessert, auf fremde Kinder und Erwachsene reagiert er aber immer noch scheu und hat Angst. Bei seinem Cousin konnte ich die gleiche Phase beobachten. War er früher immer sehr offen und sozial, ist der zweijährige jetzt wie gelähmt wenn er einem anderen Kind gegenübersteht, die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. 

 

Eine Möglichkeit, warum ein Kind vor anderen Kindern Angst hat, sind schlechte Erfahrungen. Unser Sohn wurde vom Sohn meiner Freundin oft gehauen und hat sich deshalb vor ihm gefürchtet. Ob das der Auslöser für seine Angst vor anderen Kindern war, kann ich nicht hundertprozentig sagen. Er war schon immer schüchtern und hat stets gefremdelt. Mein Neffe wurde zweimal an zwei verschiedenen Tagen von ein und demselben Mädchen ins Gesicht gezwickt. Da er vorher nie scheu war, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Erfahrung zu seiner Angst beigetragen hat. 

 

Wie kann ich meinem Kind konkret helfen um seine Angst zu überwinden?

 

Nehmen wir an, euer Kind steht wie unser Großer an einer kleinen Hängebrücke und erstarrt vor Angst, weil auf der anderen Seite ein Kind steht. Bei uns hat es geholfen hochzuklettern und uns an die Seite unseres Kindes zu stellen. Wir haben ihm gut zugeredet und wenn es notwendig war, haben Mama oder Papa mit ihm gemeinsam die Brücke überquert.

Generell war es so, das wir dann einige Zeit zum Sandelpartner auf dem Spielplatz wurden. Dabei kam es auch schon mal vor, das geschlichtet werden musste, wenn ein Sandkastenrowdi vorbei kam. Wenn das Kind in solchen Situationen Angst hat, kann es helfen, dem Kind zur Seite zu stehen.

Wenn Mama oder Papa Konflikte mit Worten lösen, kann das Kind lernen, wie es mit Worten in solchen Situationen umgehen kann. Selbstverständlich sollten wir selber den Sandkastenrowdi nicht mit Schimpfwörter oder dergleichen angehen😅.

 

Kleine Kinder machen nach und kopieren in vielen Situationen das Verhalten der Eltern. Bei unserem Großen bin ich immer wieder erstaunt, wie er dieselben Erziehungsmaßnahmen an seinem Bruder anzuwenden versucht, wie wir bei ihm. Manchmal denke ich, mein Mann spricht aus ihm! Dann kommen Sätze wie „das musst du jetzt aber wieder aufräumen“, „du solltest dich sofort entschuldigen!“, ‚das war jetzt aber nicht lieb, geh bitte ins Zimmer!“. Für einen  Dreijährigen klingt das immer etwas altklug😄.

 

Das Selbstbewusstsein unserer Kinder stärken

 

Die wunderbarste Art und Weise wie wir unserem Kind helfen können auf Dauer die Angst vor anderen Kindern abzulegen, ist der Aufbau des Selbstbewusstseins. Bei uns hat das sehr stark geholfen. Unserem Kind vermitteln wir unsere bedingungslose Liebe. Ganz egal welche Fehler es macht oder wie schlecht es sich verhält. Dazu gehört auch, dass man nicht versucht, gute Leistungen durch mehr Aufmerksamkeit und mehr „Liebe“ zu erzwingen.

Als Mama habe ich lernen müssen mein Kind loszulassen. Seit der kleine Mann von mir viel mehr zugetraut bekommt, ist auch sein Selbstbewusstsein deutlich angestiegen und er hat deutlich weniger Angst vor Kindern. Ich nehme ihm  nicht mehr alles ab (früher habe ich tatsächlich sein Zimmer hinter ihm her aufgeräumt😉), er darf schon oft eigene Entscheidungen treffen und immer mehr an seiner Selbstständigkeit arbeiten. 

 

Natürlich wache ich noch über ihn wenn es zu einer Konfliktsituation mit einem anderen Kind kommt, stets bereit zum einschreiten. So gut wie immer löst er diese Situation souverän, meist mit Schlagfertigkeit und klugen Worten. Mami dann ganz stolz😊.

Ich denke wenn wir unseren Kindern genug zutrauen, dann wachsen sie enorm daran und verlieren nach und nach ihre Angst. 

 

Die Angst vor anderen Kindern in den Griff bekommen

 

Nach einer schlechten Erfahrung sollten viele Gute folgen. Der Kontakt zu anderen Kindern sollte deshalb gefördert werden. Eine Zeit lang habe ich die Angst meines Kindes einfach akzeptiert und ihn von anderen Kindern möglichst fern gehalten. 

Ein riesiger Fehler, der mir glücklicherweise bewusst wurde. So ging es in die Musikalische Früherziehung, mit einer Gruppe von zehn Kindern. Und es wurden direkt Treffen mit anderen Müttern vereinbart. Zudem wurden wir Mitglieder im Mutter-Kind-Turnen. 

 

Der Kindergarten tat sein Übriges, um ihm die Angst vor anderen Kindern zu nehmen. Dabei wird er als Kindergartenkind täglich zum selbstständigen Handeln aufgefordert.  Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit verleihen Flügel. Diese Flügel können alle unsere Kinder bekommen, wenn wir Eltern sie unterstützen und täglich mit ihnen daran arbeiten. Auch sind nicht alle Kinder gleich. Unser Jüngster geht zu wildfremden Kindern, begrüßt diese und spielt mit ihnen, von Angst keine Spur. Jedes Kind ist anders, jedes braucht individuelle Zuwendung seitens der Eltern, damit die Flügel wachsen können. 

 

Welche Erfahrungen habt ihr gesammelt wenn es um die Angst vor anderen Kindern geht?

 

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