· 

Hör mir doch zu – richtig reden mit Kindern

Reden lernt man nur durch reden, das sagte schon Cicero. Jedoch ist das Reden mit Kleinkindern oftmals eine schwierige Angelegenheit. Immer wieder kommt es vor: Ich rede mit unserem Vierjährigen und komme mir dabei ganz besonders doof vor, denn es gleicht dem Reden mit einer Wand. Ich sage hör auf zu toben, bleib mal ruhig, lass das sein! Aber der Rabauke randaliert noch mehr und denkt gar nicht darauf meine Worte anzunehmen. Worte beeinflussen unser Kind, wenn sie diese wahrnehmen und zuhören. Das Zuhören müssen Kinder aber erst einmal lernen. Und wir Erwachsenen müssen die lernen, unsere Kinder mit Worten zu erreichen. Die Art, wie wir mit unserem Kind sprechen, bringt ihm bei, wie es mit anderen spricht. Hier ein paar Tipps, wie ich gelernt habe mit meinem Kind richtig zu reden. Manchmal klappt es, manchmal auch nicht.

 

 

Schau mir in die Augen Kleines

 

 

Vor allem bei kleinen Kindern ist es bei Anweisungen wichtig, sich auf Augenhöhe des Kindes zu begeben. Hierbei sollten wir mit unserem Kind in Augenkontakt treten, um seine volle Aufmerksamkeit zu erhalten. Ich sage zu unserem Großen dann oft: „Rafael, schau mich mal an“ und begebe mich in die Hocke, damit wir auf Augenhöhe sind. Wenn ich ihm zuhöre, versuche ich genauso, den Blickkontakt zu halten. Jedoch nicht zu intensiv, damit er es nicht als „Kontrolle“ wahrnimmt. Bei Anweisungen beginne ich immer mit seinem Vornamen „Rafael, würdest du bitte…“.

 

 

Spreche kurz und in wenigen Sätzen

 

 

Mit der Ein-Satz-Regel können wir unser Kind am besten erreichen. Dabei sollte die Anweisung klar im ersten Satz enthalten sein. Desto länger wir um den heißen Brei reden, desto wahrscheinlicher wird es, dass unser Kind abschaltet und nicht mehr zuhört. Zu viel über ein Problem zu reden, ist ein häufiger Fehler, den ich auch immer noch mache. Mein Kind bekommt dann das Gefühl, dass ich mir nicht ganz sicher bin, was ich ihm eigentlich mitteilen möchte. Das Ergebnis: Er lenkt mich mit „Blödelei“ ab und schafft es mich aus dem Gespräch zu katapultieren. Kurze Sätze mit einsilbigen Wörtern kommen schneller und besser bei ihm an, denn er kann sich besser auf mich konzentrieren.

 

 

Wiederhol mal was ich sage

 

 

Bittet euer Kind darum, die Anweisung zu wiederholen. Wenn es das nicht schafft, ist das Gesagte zu lang oder zu kompliziert. Wenn es die Wiederholung meistert, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass euer Kind das Gesagte angenommen hat.

 

Genauso sollten wir unsere Anweisung oder Rede wiederholen. Vor allem Kleinkindern muss man oft alles tausendmal wiederholen. Kinder unter zwei Jahren haben Schwierigkeiten dabei, unsere Anweisungen zu verinnerlichen. Umso älter unsere Kinder werden, desto weniger sollten wir jedoch wiederholen. Denn irgendwann werden die Wiederholungen, vor allem im Teenageralter, als Nörgelei aufgefasst.

 

Mach dem Kind ein Angebot, das es nicht ablehnen kann

 

Erpressung sollte es nicht sein, aber Argumente können schon bei den Kleinsten fruchten. So zum Beispiel: „Zieh dich bitte an, damit wir auf den Spielplatz können“. Oder: „Wenn du deine Zähne geputzt hast, dann lesen wir eine Geschichte“. Dem Kind wird dabei klar, dass sein Ziel unterstützt wird, wenn es Mamas Bitte befolgt und zu seinem Vorteil ist. In so einer Situation kann unser Kind die Anweisung nur schwer ablehnen.

 

Bleibe immer positiv

 

Eine positive Einstellung sollte stets unsere Worte prägen. Das gilt auch für Anweisungen oder Ansprachen an unser Kind. Statt zu sagen: „Hör auf zu toben“  können wir zum Beispiel sagen: „Bitte laufe in der Wohnung, draußen kannst du rennen“. Das Kind wird so eher zuhören, als wenn wir im Befehlston negativ mit ihm reden.

 

Ruhe bewahren

 

Zu oft kommt es vor das wir Eltern keinen anderen Ausweg sehen und laut werden. Brüllen sollte immer vermieden werden.  Ein Beispiel: es ist Schlafenszeit und unser Kind möchte nicht mit dem Spielen aufhören. Wenn wir jetzt brüllen: „Hör auf zu spielen, ab ins Bett!“, wird es vermutlich sehr trotzig reagieren. Wenn wir besonnen und ruhig ins Zimmer treten und sagen: „Ich gebe dir noch ein paar Minuten, dann machen wir dich fürs Bett fertig und haben noch Zeit ein Buch zu lesen.“ Bleiben wir ruhig, wird es mit ein bisschen Glück, darauf eingehen. Und wenn nicht, sollten wir weiterhin ruhig mit ihm reden. Brüllen ist definitiv meist der falsche Weg.

 

Auch wenn mein Kind mich anbrüllt, lautet die Devise, ruhig bleiben. Desto lauter es wird, desto leiser werde ich. Manchmal reicht es sogar aus, nur aufmerksam zuzuhören (je nach Lautstärke geht es meist gar nicht anders). Irgendwann verpufft der Ärger des Kindes und die Ruhe von Mama oder Papa hilft, den Wutanfall abzubauen. Wenn ich mich auf sein Niveau begebe, dann müssen zwei Parteien ihren Wutanfall meistern. Ich bin der Erwachsene und zeige ihm deshalb das ruhig bleiben der bessere Weg ist.  

 

Für ein gutes Gespräch sollte das emotionale Gleichgewicht wiederhergestellt sein. Sonst verschwenden wir unsere Zeit, denn unsere Ansprache verpufft, wenn sich das Kind noch nicht abgeregt hat.

 

Kindgerecht reden je nach Entwicklungsstand

 

Je jünger unser Kind ist, desto kürzer und einfacher sollten unsere Anweisungen sein. Dabei sollten wir immer das Alter und Verständnis unseres Kindes berücksichtigen. Früher habe ich unseren Vierjährigen oft gefragt: „Warum hast du das gemacht?“, selbst manche Erwachsene können diese Frage nicht immer beantworten. Deshalb sage ich jetzt: „Lass uns darüber sprechen, was du gemacht hast“.

 

Versuche sozial korrekt zu sprechen

 

Bitte und Danke verstehen schon Zweijährige. Es ist nie zu früh unseren Kindern Höflichkeitsformeln zu vermitteln. Dabei gehört dazu, dass wir mit unserem Kind so sprechen, wie wir möchten, dass es mit uns redet. Respektvoller Umgang mit unseren Kindern ist ein Baustein für ihr späteres Verhalten. Desto respektvoller wir mit ihnen reden, desto respektvoller werden sie mit anderen Menschen umgehen.

 

Drohungen und Verurteilungen drängen unser Kind vermutlich in die Defensive. Statt ihm zu befehlen: „Du musst oder du solltest das besser tun…“ können wir sagen: „Ich möchte oder ich würde mich freuen wenn…“. Diese Ansprachen sind nicht anklagend und finden deshalb Gehör. Außerdem sollten wir unseren Kindern keine Fragen stellen, wenn die negative Antwort keine Option ist. Statt „Willst du bitte deine Jacke holen?“ sollten wir vielleicht eher sagen: „Hole bitte deinen Mantel…“.

 

Lasse dein Kind den Gedanken vollenden

 

Unser Sohn macht wie die meisten Kinder oft ein Chaos aus seinem Zimmer. Dann sucht er anschließend fieberhaft nach einem ganz bestimmten Spielzeug. Jetzt könnte ich sagen: „Das kommt davon, wenn man so ein Chaos anrichtet“. Stattdessen sollte man ihn darüber nachdenken lassen, warum er das Spielzeug gerade nicht findet. „Denke doch mal darüber nach, wie du deine Spielsachen sortieren könntest, um sie dann schneller zu finden.“ Wenn das Kind die Lücken selber schließt, ist es wahrscheinlicher, dass es darüber nachdenkt und auf Dauer versucht Ordnung zu halten.

Es gibt noch so vieles mehr was wir im Alltag tu können, damit uns unsere Kinder zuhören und unsere Vorschläge, Anweisungen und Appelle verinnerlichen. Wie sieht es bei euch aus? Hören euch eure Kinder zu? Habt ihr weitere sinnvolle Tipps was wir Eltern besser machen können?

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Tanja (Dienstag, 09 Januar 2018 14:59)

    Hallo,

    vielen Dank für die Tipps! Vieles davon beachte ich schon, aber manchmal ist es so dass man manches davon einfach währenddessen vergisst. Beim nächsten mal erinnert man sich aber wieder daran. Ich glaube, vieles davon ist eine Sache der Übung. Jeder hat ja seine eigenen Wege, mit gewissen Dingen umzugehen. Mein Tipp bzw. was ich manchmal mache: Wenn geschimpft worden ist, redet man nochmal darüber, um es wirklich zu festigen. Dazu gehen wir dann immer auf sein Baumhausbett und reden ganz in Ruhe, falls es etwas ernstes war. Bei mir hat das bisher eine sehr positive Wirkung gezeigt :)

    Danke nochmal für den Artikel!

    Liebe Grüße

    Tanja

  • #2

    Nina (Mittwoch, 10 Januar 2018 09:53)

    Hallo Tanja, vielen Dank für dein positives Feedback. Es ist tatsächlich so, dass wir uns im Alltag immer wieder daran erinnern müssen wie wir mit unseren Kindern reden. Mir geht es da genauso, wir Eltern müssen immer an uns arbeiten. Vielen Dank für deinen Tipp, den finde ich sehr hilfreich und werde ihn in der nächsten Situation anwenden:-D. LG Nina von der Mamikiste